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“Die Lesungen schaden den Büchern mehr, als sie ihnen nutzen”,

…sagte Slata Roschal, die – im Jahr 2022 für den Deutschen Buchpreis nominiert – am 1. November eine Lesung in der Aula der Cäcilienschule hielt und mit ihren spannenden Einblicken in das Leben einer Autorin direkt den Gegenbeweis zu ihrer These lieferte.

Dass das Buch häufiger weniger im Vordergrund steht als der Autor oder die Autorin, dieser Kern steckte eigentlich hinter ihrer Botschaft. Autoren und Autorinnen stünden (zu) viel im Vordergrund, gerade bei Lesungen und das, obwohl sie nicht immer zwingend gute Vortragende, geschweige denn gute Schauspieler oder Schauspielerinnen seien. Auch im Text suchten die Leser und Leserinnen unbewusst häufig Fragmente aus der Biographie des Autors oder der Autorin und ganz schlimm finde sie den Satz, den sie allzu oft in ihrem eigenen Deutschunterricht gehört habe: “Was will uns der Autor damit sagen?”
Kunstvolle, dichte, lyrische Sprache bedarf gar nicht zwingend der Interpretation, sondern steht als Kunstwerk für sich und hinterlässt Eindruck – dies bewies Slata Roschal mit ihrem Lesen aus dem Werk “153 Formen des Nichtsseins”. In der anschließenden Diskussion kreisten die Fragen der Schüler und Schülerinnen um die Themen Mehrsprachigkeit, Identität und die Frage, wie viel Spielraum Autoren und Autorinnen – aufgrund der finanziellen Zwängen – eigentlich zum freien Schreiben bleibe.

Schülerinnen des Jahrgangs 12 durften am Nachmittag noch mit der Autorin über die soziale Relevanz von moderner Literatur sprechen. Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wenig Bedeutung man der Kunst im Allgemeinen einräume, meinte Slata Roschal zu Beginn einer Diskussionsrunde über meist lyrische Texte junger Autoren und Autorinnen. In einem offenen Gespräch näherte man sich den vielschichtigen Texten und den Möglichkeiten von Sprache. Am Ende konnten die Schülerinnen selbst zu Literaten werden und angelehnt an die Texte von Alexander Estis “Legenden aus Kalk” von 2022 einen lyrisch-erzählerischen Text über einen realen Menschen aus dem eigenen Umfeld schreiben. Der Impuls zur Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie im weitesten Sinne ergab in kürzester Zeit sehr vielseitige Texte.

Wir danken Slata Roschal für ihren Besuch an der Cäci!

Text: La, Ma / Foto(s): Gb

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